das Teaching-Wiki

 

Creative Commons License Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. Bei Bedarf folgen Sie bitte dem Zitatvorschlag am Seitenende.

Die ersten Ideen zu dieser Arbeit sind während meines Studienaufenthalts an der Universität Leipzig entstanden, wo ich mit einem Forschungsstipendium des Deutscher Akademischer Austauschdienst im WS 1999/2000 studieren durfte.

Arkadiusz Jasiñski · Bydgoszcz 2001

ÜBERSETZER - BERUF ODER BERUFUNG?
Translatorische Kompetenzen und Übersetzungsarbeit im Zeitalter der internationalen Kommunikation

 

Inhalt Einleitung [ 1.1 ] [ 1.2 ] [ 2.1 ] [ 2.2 ] [ 3.1.1 ] [ 3.1.2 ]  [ 3.1.3 ]  [ 3.2 ] [ 4 ] [ 5 ] Literatur Glossar

weiter top

Translationsproblematik von gewählten Textsorten

 

3.1.3. Software-Lokalisierung

In den heutigen Zeiten der Globalisierung werden immer mehr Produkte von vornherein für den weltweiten Markt bestimmt.

Diese Strategie führt dazu, dass das Produkt schon während seiner Entwicklung an die sprachlichen, technischen und kulturellen Gegebenheiten der lokalen Märkte angepasst werden sollte. Auch Produkte, die ursprünglich nicht global konzipiert waren, müssen oft nachträglich an die spezifischen Anforderungen der neu eroberten Märkte angepasst werden. Den Prozess der Anpassung eines globalisierten Produkts an eine bestimmte Sprache und ein bestimmtes Land bezeichnet man mit dem Terminus 'Lokalisierung'.

Den Löwenanteil der anfallenden Übersetzungsarbeiten bei weltweit vertriebenen Produkten macht heute die Lokalisierung der erforderlichen Unterlagen (Bedienungsanleitungen, technische Beschreibungen und Verkaufsbroschüren) aus. Über die Ansprüche einer normalen Übersetzung hinaus sind bei diesem Verfahren noch wesentlich mehr kulturelle und soziale Aspekte eines Landes zu berücksichtigen.

Der Begriff der Lokalisierung wird jedoch gewöhnlich in Bezug auf den Prozess der Anpassung von Software-Produkten an lokale Märkte verwendet - die Software-Lokalisierung macht heute erst 20% des Übersetzungsmarktes aus, hier sind allerdings mit einer Verdreifachung des Volumens binnen fünf Jahren die größten Wachstumsschübe zu erwarten (vgl. ASSIM Study: 1999).

Bei der Software-Lokalisierung handelt es sich um die Übertragung eines in einer Ausgangssprache vorliegenden Programms in die Zielsprache unter Berücksichtigung der landesüblichen Gegebenheiten des jeweiligen Landes. Dem eigentlichen Lokalisierungsverfahren geht sehr oft eine Globalisierung des Produktkerns voraus. Alle sprachrelevanten Aspekte eines Programms werden vom eigentlichen Programmcode getrennt, und alle Aspekte, die von Zielland zu Zielland unterschiedlich sind, werden länderunabhängig behandelt. Dieser Prozess umschließt u.a. das Auslagern von landes- und regionsspezifischen Daten wie z.B. Bildschirmtexten in externe Dateien und die Verwendung einer Zeichencodierung (z.B. Unicode), die Schriftzeichen anderer Sprachen unterstützt.

Nach einer solchen Vorbereitung kann die Lokalisierung der Software für die jeweiligen Zielmärkte durchgeführt werden. Sie umfasst die Übersetzung und sonstige Konvertierungen und berücksichtigt örtliche Gewohnheiten, gesetzliche Gegebenheiten sowie kulturelle Eigenheiten des jeweiligen Landes. Ziel ist ein Produkt, das sich in die Anwendungsumgebung im Zielland nahtlos einfügt.

Im Rahmen einer zielgruppengerechten Software-Lokalisierung wird also nicht nur die "eigentliche" Übersetzung angefertigt. Angepasst werden hier auch alle anderen sprachabhängigen und sprachunabhängigen Faktoren: die korrekte Schreibweise des Datums, Dezimaltrennzeichen, Abkürzungen, Papierformate usw. Dieses Verfahren ist überraschenderweise nicht nur bei solchen Sprachenpaaren notwendig, die zu verschiedenen Sprachfamilien gehören. Selbst zwischen zwei doch recht nahe verwandten Sprachen und Kulturen wie in den USA und in Deutschland erweist sich eine solche Anpassung als unerlässlich. Im Nachstehenden einige Beispiele aus der Praxis:
 

 

USA

Deutschland

Bildschirmmeldungen

File name

Dateiname

Fehlermeldungen

Error: File not found

Fehler: Datei nicht gefunden

Hilfebildschirme

auf englisch

auf deutsch

Währungsformate

$425.00

555,- DM

Datum und Uhrzeit

9/16/99 2:00 pm

16.09.1999 14.00 Uhr

Druckseitenformat

8.5×11"

DIN A4

Maßsysteme

Englisch

Metrisch

Standardgrößen (z.B. Schraubenschlüssel)

3/4"

19 mm

Sortierreihenfolge

Aa Bb Cc ... Ss Tt ...

AaÄä Bb Cc ... Ss ß Tt

Zeichensatz

ASCII 7 Bit ohne diakritische Zeichen

ISO 8859 8 Bit mit ÄÖÜ äöüß §

Tastatur

101 Tasten, QWERTY

102 Tasten, QWERTZ

Rechtschreibung und Silbentrennung

Mehrere ähnliche, aber doch unterschiedliche Normen

Besonderheiten wie Schiffahrt/Schifffahrt

(Quelle: http://www.ficorp.com/global_g.html)
 

Alle Bestandteile der Softwareanwendung (Benutzeroberfläche einschl. Beispieldateien, Hilfetexten, Fehlermeldungen, gedruckten Dokumentationen, etc.) müssen konsistent übersetzt werden, das heißt die im Verlauf der Projektvorbereitungen eingeführte und festgelegte Terminologie (s. Kapitel 2.1.4 Terminologie-Nachweis und Kapitel 5.2 Terminologieverwaltung) ist durchgängig von jedem am Projekt beteiligten Übersetzer zu verwenden.

Die nachstehende Tabelle enthält eine Zusammenstellung der Bereiche, die bei einem Lokalisierungsprojekt für ein komplettes Software-Produkt zu berücksichtigen sind. Die markierten Komponenten werden im weiteren Teil dieses Kapitels ausführlicher behandelt.

Zu berücksichtigende Bereiche (Beispiele)

Benutzeroberfläche
Hilfesysteme
Benutzerhandbücher
Installationsdateien
"Readme"-Dateien

Benutzereingaben
Fehlermeldungen
Tastaturanpassung
Initialisierungsdateien
Technische Handbücher

(Quelle: http://www.ficorp.com/global_g.html)
 

Darüber hinaus stellt die Software-Lokalisierung auch besondere Ansprüche an die technische Ausstattung, da im Rahmen der Lokalisierung nicht nur die sprachliche Qualität, sondern auch die Funktionalität des lokalisierten Programms zu prüfen ist.

Der Lokalisierungsprozess erfordert also neben der eigentlichen Übertragung der Quelltexte in die jeweilige Landessprache mindestens folgende weitere Schritte:

  • Testen der lokalisierten Software, Webseiten und Online-Hilfe auf Funktionsfähigkeit
  • Überprüfen, ob Online-Hilfe und Dokumentation mit der Benutzeroberfläche übereinstimmen (Fachlektorat mit Hilfe eines Testskripts)

 

nach oben top

____  ____  ____

 

 

Sollten Sie einzelne Abschnitte oder Gedankengänge aus meiner Diplomarbeit für eigene Abhandlungen übernehmen, weise ich Sie hiermit ausdrücklich darauf hin, dass aus meiner Diplomarbeit entnommene Teile als solche gekennzeichnet werden müssen (Zitat!).

Zitatvorschlag:
Jasiñski, A. (2001): Übersetzer - Beruf oder Berufung? Translatorische Kompetenzen und Übersetzungsarbeit im Zeitalter der internationalen Kommunikation - unveröffentlichte Diplomarbeit an der Akademia Bydgoska im. Kazimierza Wielkiego, 109 S.(+ 13 S. Anhang), 21 Abb., 16 Taf.; Bydgoszcz (Lehrstuhl für Germanistik).

Volltext: download (4,3 MB)