das Teaching-Wiki

 

Creative Commons License Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. Bei Bedarf folgen Sie bitte dem Zitatvorschlag am Seitenende.

Die ersten Ideen zu dieser Arbeit sind während meines Studienaufenthalts an der Universität Leipzig entstanden, wo ich mit einem Forschungsstipendium des Deutscher Akademischer Austauschdienst im WS 1999/2000 studieren durfte.

Arkadiusz Jasiñski · Bydgoszcz 2001

ÜBERSETZER - BERUF ODER BERUFUNG?
Translatorische Kompetenzen und Übersetzungsarbeit im Zeitalter der internationalen Kommunikation

 

Inhalt Einleitung [ 1.1 ] [ 1.2 ] [ 2.1 ] [ 2.2 ] [ 3.1.1 ] [ 3.1.2 ] [ 3.1.3 ]  [ 3.2 ]  [ 4 ]  [ 5 ] Literatur Glossar

weiter top

Kollokationen als Übersetzungsproblem

 

4.1. Das Phänomen der Kollokabilität

Beim Erlernen einer Fremdsprache stößt man früher oder später auf ein ohne großen (Lern- ) Aufwand kaum zu lösendes Problem: Unsere natürlichen Sprachen fassen Konzepte und komplexe Sachverhalte häufig in gänzlich anderer Weise.7

Wenn man zum Beispiel im Deutschen einen Tunnel gräbt, so muss man im Englischen daran denken, dass dort ein Tunnel geschnitten wird (to cut a tunnel), im Deutschen fällt man ein Urteil - aber die Franzosen tragen es (porter un jugement), und wenn auf deutsch nichts logischer erscheint, als eine Kritik zu formulieren - Portugiesen und Brasilianer weben sie (tecer críticas)!

Im folgenden wird anhand des polnischen Verbs sk³adaæ gezeigt, mit welchen verschiedenen deutschen Verben dasselbe Wort je nach Kontext zu übersetzen wäre:

In umgekehrter Richtung wird auch das deutsche Verb einholen je nach dem jeweiligen Objekt ganz verschieden ins Polnische übersetzt:

Diese wenigen Beispiele genügen wohl, um die volle Tragweite des Problems zu erkennen. In jenen Fällen, in denen wir die richtige Formulierung - in der Linguistik wird in diesem Zusammenhang von Kollokation gesprochen8) - nicht kennen, helfen uns zumindest beim Schreiben in der Fremdsprache oder beim Hinübersetzen die umfassenden einsprachigen Wörterbücher, die für die großen Kultursprachen wie Englisch, Französisch, Deutsch oder Spanisch auf dem Markt erhältlich sind. Mit ihren Beispielteilen bieten sie dem Textproduzenten in der Fremdsprache ein Reservoir typischer Verwendungen der Stichwörter und helfen so beim idiomatischen, d.h. die Besonderheiten der jeweiligen Einzelsprache respektierenden Formulieren.

Einem Fachübersetzer können die Wörterbücher aber meistens auch nicht weiter helfen - die Frage der fachsprachlichen Kollokationen wird im Kapitel 4.4 ausführlich behandelt. In diesem Zusammenhang wird hier noch eine Zusammenstellung von fachbezogenen Kollokationen im Sprachenpaar Englisch-Deutsch angeführt (Schmitt 1999:211):

Das Phänomen der Kollokabilität wird auf eine sehr anschauliche Weise im "Sachwörterbuch für die deutsche Sprache" erklärt:

Kollokation: Semantisch bedingte Verknüpfbarkeit von Wörtern zu einem Syntagma, die eine der potentiellen Bedeutungen aktualisiert. K. realisieren sich bei grün in den Wortgruppen grünes Kleid (Farbe), grünes Obst (unreif), grünes Holz (feucht), grüner Junge (unerfahren), grüner Hering (ungereuchert), weil sie aus polysemen Lexikoneinheit grün jeweils eines der möglichen Sememe ausgliedern. Die Wortgruppe grüne Tinte hingegen ist keine neue Kollokation, weil hier gegenüber grünes Kleid kein anderes Semem realisiert wird; so liegt auch in grüner Speck keine andere K. vor als in grüner Hering.
(Zitat 4-1: SOMMERFELDT 1989)

Im "Studienbuch Linguistik" werden im Zusammenhang mit dem Begriff der Synonymie Lexeme mit mehr oder weniger gleichen Bedeutung erwähnt, die verschiedene syntagmatische Verwendbarkeit aufweisen. Dieses Phänomen der syntagmatischen (Un-)Verträglichkeit zwischen bestimmten Wörtern lässt sich semantisch nicht begründen. Zur Illustration dieses Problems werden folgende Beispiele angeführt (LINKE 1996:153):

einen Brief erhalten / bekommen / kriegen
ein Kind *erhalten / bekommen / kriegen

hellgelbes Kornfeld / *Haar
blondes *Kornfeld / Haar

 

nach oben top

____  ____  ____

7. Diese und einige der folgenden Ausführungen wurden in Anlehnung an einen Online-Artikel von Bernhard Pöll erarbeitet.
[zurück]

8. Der Einfachheit halber wird hier der Begriff Kollokation im allgemeinen Sinne verwendet und nicht weiter differenziert - auf die Variantenproblematik, die Unterscheidung zwischen Kollokation und freier Wortverbindung sowie die damit zusammenhängende Frage der Polysemie (Ambiguität / Mehrdeutigkeit) lexikalischer Einheiten werde ich, abgesehen von der Darstellung einiger Kollokationsauffassungen, nicht eingehen, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.
[zurück]

 

 

Sollten Sie einzelne Abschnitte oder Gedankengänge aus meiner Diplomarbeit für eigene Abhandlungen übernehmen, weise ich Sie hiermit ausdrücklich darauf hin, dass aus meiner Diplomarbeit entnommene Teile als solche gekennzeichnet werden müssen (Zitat!).

Zitatvorschlag:
Jasiñski, A. (2001): Übersetzer - Beruf oder Berufung? Translatorische Kompetenzen und Übersetzungsarbeit im Zeitalter der internationalen Kommunikation - unveröffentlichte Diplomarbeit an der Akademia Bydgoska im. Kazimierza Wielkiego, 109 S.(+ 13 S. Anhang), 21 Abb., 16 Taf.; Bydgoszcz (Lehrstuhl für Germanistik).

Volltext: download (4,3 MB)